guttun

der besondere Moment

 
Heute musste ich etwas in Bötzingen erledigen. Es war kein Auto zur Hand und den Bus wollte ich auch nicht nehmen, also habe ich mich für das Rad entschieden. Wer sich auskennt, weiß: zwischen Vogtsburg und Bötzingen gibt es einen Berg mit ordentlich Gefälle (nach Bötzingen) bzw. ordentlich Steigung (zurück).
 
Jetzt bin ich weder besonders sportlich noch besonders mutig und habe den Weg durch Wald und Reben gewählt – runter ist braucht’s da doch mehr Mut als ich dachte…
Zurück habe ich den Kaiserstuhl einfach umfahren, also einfach vom Fahren her, Strecke und Zeitaufwand waren natürlich beträchtlich, aber heute habe ich mir Zeit genommen.
 
Und so bin ich heute zwei Stunden gemütlich durch Feld, Wald, Reben und Wiesen geradelt und habe mir damit etwas richtig Gutes getan. Weil ich ja Zeit hatte, habe ich die Vögel singen gehört – ohne zu wissen welcher Vogel da singt (und das nach 20 Jahren Vogelstimmenuhr!). Ich habe den Sommer gerochen – Blumen, reifes Getreide, Wald, … - ich habe gemerkt, wie viele verschiedene Grüns es gibt und ich habe buchstäblich nichts gedacht.
 
Aber es ist etwas passiert mit mir: ich bin ganz erfüllt im Büro angekommen. Voller Lebensfreude und Energie und voller Dankbarkeit. Was für eine Fülle an Farben und Formen, an Gerüchen und Geräuschen, an Ordnung und Chaos! Ein Blick bis zu den Vogesen! Ich verstehe, warum Gott sah, dass seine Schöpfung gut war. Okay, für ein Großstadtkind wie mich ist da immer wieder etwas Besonderes.
 
Die Kombination aus Bewegung, Luft und Schönheit öffnet, sicher nicht nur bei mir, einen Weg direkt ins Herz. Das macht den Blick klar und weit – vielleicht nur für einen Moment. Doch dieser Moment ist genauso wichtig wie alle anderen und er steht gegen all die Momente der Kränkung und des Schmerzes. Er reicht aus für heute – mehr braucht’s ja auch nicht.
 
So einen Moment der Gnade erlebe ich immer wieder – heute aber habe ich das auch gemerkt. Es könnte sein, dass Aufmerksamkeit für solche Momente – sie bemerken, bewusst wahrnehmen und genießen – ein weiterer Weg für das Leben in Fülle ist. Es lohnt sich auf jeden Fall!
 
 
 
 
 
 
Text und Bild: Andrea Ludwig