Sorge

ändert nichts am Kummer von morgen!

 
 
Sorge verändert nichts am Kummer von morgen. Sie vermiest lediglich die Freude am Heute. E.B. Jung
 
So steht es auf einer Postkarte, die mir neulich in Finger fiel. Stimmt natürlich. Was ich nicht ändern kann, soll ich gelassen ertragen. Aber das ist ja so viel leichter gesagt als getan. Was könnte nicht alles passieren? Ich mache mir Gedanken und ja, auch Sorgen und ich fange an, im Kopf meinen eigenen kleinen Horrorfilm zu drehen. In dem kommt alles vor, was mir Schreckliches und Schlimmes passieren kann. Und diesen Film lasse ich dann im Kopf wieder und wieder ablaufen bis ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, das die Sache gut ausgehen kann.
 
Ja, das vermiest einem die Freude am Heute. Und es ist noch schlimmer: es macht es auch wahrscheinlicher, dass das Schlimme geschieht. Denn wir kriegen, was wir uns vorstellen und wünschen. Wenn ich etwa davon ausgehe, dass mein Gegenüber unfreundlich zu mir sein wird, dann werde ich versuchen, mich davor zu schützen oder darauf angemessen zu reagieren und angemessen ist dann nicht freundlich. Also begegne ich dem anderen schon von vornherein auch eher unfreundlich und mache es ihm schwer, nett zu mir zu sein. Das Ergebnis ist vorhersehbar und mein Eindruck, nein meine Sorge wird bestätigt.
 
Ich könnte es ja auch anders machen, mir vorstellen, wie die Sache doch gut ausgeht und einen anderen Film im Kopf drehen und anschauen. Dann würde ich meinem Gegenüber von Anfang an mit einem Lächeln begegnen und es ihm schwer machen, unfreundlich zu mir zu sein. Das Ergebnis der Begegnung wäre ein anderes.
 
Natürlich müssen wir uns Gedanken und manchmal auch Sorgen machen, aber wir müssen der Sorge nicht so viel Platz in unserem Leben und Denken einräumen. Wenn ich auf eine schwierige Situation zugehe, dann kann ich überlegen, was ich tun kann, aber das reicht dann auch. Ich darf immer noch und immer wieder auf Beistand hoffen, ich bin nicht allein. Da kann schon mal ein Stoßgebet helfen „Herr, bleib bei mir“.
 
Hilfreich könnte es auch sein, immer nur den ersten Schritt zu planen. Denn ein großer Plan scheitert manchmal, weil mein Gegenüber auf meinen ersten Schritt ganz anders reagiert als geplant. Dann ist meine ganze schöne Strategie dahin. Manchmal bin ich perplex und weiß gar nicht, was ich tun soll. Vielleicht hilft da ja auch mal eine Pause. „Das hatte ich gar nicht im Kopf, darüber muss ich erst noch mal nachdenken!“ Das nimmt Druck aus der Situation. Eine Pause im Horrorfilm, in der ich mein Drehbuch umschreiben könnte.
 
Und noch etwas hilft: wenn es doch viel besser kommt, als ich befürchtet hatte, dann hilft ein Dankgebet. Denn es macht mir bewusst, dass etwas gut ausgegangen ist und das stärkt mich für die nächste schwierige Situation und hält mich vielleicht davon ab, einen neuen Horrorfilm im Kopf zu drehen.
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: Master Tux  auf  Pixabay