
Gestern Abend hat es gestürmt und geregnet und ich hab sorgenvoll nach den Tomaten im Hochbeet geschaut. Doch was soll ich machen? Wenn es stürmt, dann kann ich auch nichts mehr tun. Ich bin hilflos und kann nur am Ende die Schäden beheben.
Zum Glück können wir das Wetter nicht unmittelbar beeinflussen, wir sind ihm ausgesetzt. Hilflos müssen wir aushalten, wenn es stürmt und hagelt.
Aushalten und Hilflosigkeit, überhaupt Ungewissheit – das ertragen wir nicht gut. Wir möchten, dass die Dinge logisch sind, wir wollen, dass es für alles eine Erklärung gibt. Selbst wenn ich mit den Handlungen und Motiven anderer Menschen nicht einverstanden bin, will ich sie verstehen. Schlimmer als böse Absichten ist Ignoranz.
Etwas ohne erkennbaren Grund etwas aushalten zu müssen, das zermürbt mich. Doch genau das passiert uns immer wieder. Ein enger Freund erkrankt schwer, der teure Kühlschrank geht kaputt (während das gleich Modell beim Nachbarn schon 15 Jahre lang tadellos funktioniert), ich hab es eilig und steh - natürlich - im Stau, grade heute, wo das lang geplante Sommerfest stattfinden soll, regnet es … - Warum immer ich?
Ja, warum denn nicht? Warum soll es denn immer nur die anderen treffen? Natürlich trifft es mich nicht immer. Und natürlich hat sich niemand gegen mich verschworen – genau genommen bin ich dem Wetter ebenso egal wie der Technik. Unangenehme Dinge geschehen eben.
Angenehme aber auch. Diese eine Ampel, an der ich immer, immer warten muss, ist heute grün, ich komme bei der Hotline sofort durch, genau die Bluse, die schon ich so lange wollte, ist heute im Angebot… Da frage ich nie: warum immer ich?
Es ist gut, dass uns immer wieder Dinge passieren, die wir einfach aushalten müssen, es ist gut, zu spüren, dass wir nicht allmächtig sind. Das macht unser Menschsein auch aus: die richtige Balance zu finden zwischen dem, was in meiner Macht liegt, und dem, was ich ertragen muss. Und natürlich gilt es immer wieder, aus jeder Situation das Beste zu machen. Da können ja auch immer ganz unerwartete und neue Erfahrungen, Begegnungen und Erkenntnisse wachsen.
Manches Missgeschick ist eben auch eine Chance, ein Augenzwinkern Gottes – was ich daraus mache, das überlässt er aber immer mir.
Text: Andrea Ludwig
Bild: Friedbert Simon In: Pfarrbriefservice.de





