Ich sehe den Himmel offen

Und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen!



Es ist der zweite Weihnachtstag - Stephanstag. Wir erinnern uns an den Heiligen Stephanus, den ersten Märtyrer.
 
Ich muss gestehen, mit Märtyrern habe ich mich lange sehr schwer getan. Was bitte ist so großartig daran, sich umbringen zu lassen? Ob man seiner Sache nicht lebendig immer mehr dient als tot?
 
Bei Stephanus zeigt sich, dass das die falsche Perspektive ist. Wir erinnern uns ja nicht an ihn, weil er nicht weggelaufen ist und standhaft und tapfer blieb. Okay, ein bisschen spielt das sicher auch eine Rolle.
 
Was wir aber wirklich bewundern, ist ja sein Glaube, seine Überzeugung. „ Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen!“. Stephanus hat offensichtlich eine Vision, er wird berührt, ganz tiefgreifend.
 
Stephanus wird geschildert als ein Mann von gutem Ruf. Er ist auserwählt, denn er tut in der Gemeinde Zeichen und Wunder, so schildert es die Apostelgeschichte. Auch wird er als theologisch gebildet vorgestellt, denn er verteidigt sich geschickt mit zahlreichen Verweisen auf die Schrift. Er kennt sie nicht nur, er versteht es auch, sie zu deuten. Charismatisch muss er gewesen sein, gelingt es ihm doch, selbst seine Ankläger zu berühren, so dass sie empört und emotional reagieren und ihn vom Fleck weg kreuzigen.
 
Er hätte noch die Chance zu „widerrufen“, könnte alles als Irrtum hinstellen oder behaupten man hätten ihn falsch verstanden. Vielleicht wäre er doch noch mit dem Leben davon gekommen. Doch „Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen!“
 
Was für ein Glaube! Glauben heißt nicht wissen; so will es das Sprichwort. Doch zwischen Glauben und Wissen liegt die Gewissheit, jenes persönliche Wissen, das zwar unbewiesen und unbeweisbar bleibt, aber dennoch das Leben grundlegend prägt.
 
„Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen!“ das ist die Gewissheit des Stephanus. Darum hat der Tod für ihn den Schrecken verloren. Er sucht ihn nicht, doch er fürchtet ihn auch nicht. 
 
Es ist diese Gewissheit, diese Glaubenssicherheit, die wir bewundern und um die wir Stephanus vielleicht auch ein wenig beneiden. Es ist genau diese Gewissheit, die eigentlich alle Märtyrer und Märtyrerinnen auszeichnet, dieses inneres Wissen um Gott und seine liebevolle Zuwendung. Und es ist diese Gewissheit, die ausstrahlt und Menschen fasziniert und in den Bann schlägt. 
 
Auch wenn ich für mich nicht sicher bin, ob ich mir meines Glaubens so gewiss bin wie Stephanus, ab und zu blitzt diese offene Himmel auch in mein Leben. Da habe ich diese Gewissheit. Das sind Sternstunden in meinem Leben, Moment, die tragen, wenn die Zeiten schwer und dunkel werden.
 
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: Canva.com