Sternsingeraktion gegen Kinderarbeit

mehr als nur ein Tag im Jahr

 
Nour möchte zur Schule gehen, doch sie muss arbeiten und ihre Familie unterstützen...
Die Sternsinger waren da. An verschiedenen Stellen haben die Kinder gesungen und gesammelt. Ich finde es schön, zu sehen, wie sich die Kinder unserer Gemeinden für Kinder in anderen Teilen der Welt einsetzen. Denn sie haben sich in der Vorbereitung auf das Sternsingen mit der Lebenswelt der Kinder in Bangladesch auseinandergesetzt. Das war besonders für das Vorbereitungsteam eine echte Herausforderung.
 
Aber jetzt ist es ja geschafft! Die Kinder sind auf offene Ohren (und Geldbeutel) getroffen und haben ein hübsches Sümmchen zusammenbekommen. Puh! Nächstes Jahr wieder.
 
Ich glaube, da machen wir es uns zu einfach. Wir sammeln jetzt, damit Kinder in Bangladesch nicht mehr in der Fabrik arbeiten müssen, sondern zur Schule gehen können. Das kann doch nicht alles gewesen sein! Es reicht doch nicht, einmal im Jahr etwas in die Spendenbüchse zu stecken!
 
Ich kann die Kinderarbeit überall in der Welt nicht verhindern. Dafür bin ich ein zu kleines Licht. Aber: ich kann aufhören, sie zu fördern. Denn ich profitiere davon. Ein T-Shirt für 5,- € - das kann nur funktionieren, wenn woanders Menschen ausgebeutet werden und das geht mit Kindern am leichtesten. Alle zwei Jahre ein neues Handy – das können wir uns nur leisten, weil am anderen Ende der Welt Menschen zu Hungerlöhnen und unter unmenschlichen Bedingungen schuften müssen.
 
Nein, ich kann das nicht sofort ändern. Aber: ich muss es mir immer wieder bewusst machen und ich kann an einzelnen Punkten anfangen, mein (Konsum-)Verhalten zu ändern. Brauche ich so viele Klamotten? Brauche ich wirklich schon wieder ein neues Handy? Muss es denn unbedingt noch morgen geliefert werden?
 
Im weltweiten Maßstab gesehen leben wir in unvorstellbarem Luxus und Überfluss und profitieren dabei von der Ausbeutung anderer – ob wir das wollen oder nicht.
 
Das Sternsingen ist vielleicht ein guter Anlass, sich wirklich einmal bewusst zu machen, wie gut es mir geht und wie wenig ich auf die Menschen am anderen Ende der Welt schaue. Wenn ich nur einmal im Monat beim Einkaufen nachfrage, ob das, was ich da kaufen will, auch wirklich ohne Kinderarbeit entstanden ist, dann ändert das schon etwas. Weil es ein Thema ins Bewusstsein hebt, das uns selbst auch ganz unmittelbar betrifft.
 
Wir können es uns nämlich ganz oft tatsächlich leisten, beim Kaufen bewusst auf Produkte mit Kinderarbeit zu verzichten. Es ist dann vielleicht kein Schnäppchen mehr, aber es ist dann ein gutes Geschäft. Weil die Sternsingeraktion nicht nur ein Tag im Jahr bleiben darf. Wer übrigens mehr wissen möchte über die diesjährige Sternsingeraktion und das Partnerprojekt, dem empfehle ich den Sternsingerfilm „Willi in Bangladesch“.
 
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: www.sternsinger.de