Wüste(n)Zeiten

und Versuchungen

 
Am Sonntag hören wir von Versuchungen. In der Bibel kommt der Teufel zu Jesus, nachdem der schon vierzig Tage in der Wüste gefastet hatte.
 
Sowas kenne ich auch. Nein, ich habe noch nicht mit dem Leibhaftigen gesprochen, aber diese Versuchungen, die kenne ich nur zu gut; ganz besonders in den schwierigen Zeiten, wenn ich orientierungslos und ängstlich bin.
 
Steine zu Brot machen – Aus dem Mangel einen Überfluss machen. Umgangssprachlich sagen wir manchmal „da macht einer aus Scheiße Gold“. Das funktioniert nicht, das ist immer Betrug und wir wissen das genau. Ich kann Dinge so hinmogeln, das sie toll aussehen, ohne wirklich gut zu sein, ja. Doch ich mache das Schlechte nicht gut. Wenn es gut werden soll, dann braucht es gutes Material, fundiertes Wissen, Geduld und Sorgfalt und Liebe – der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Da gibt es etwas, was wir nicht produzieren können: Kommunikation und Verbindung – Gottes Wort.
 
Stürz dich vom Tempel (dir wird schon nichts passieren) – das kalkulierte Risiko. Hier geht es um den ganz großen Auftritt, die eine große Geste. Wie verführerisch ist das, es einmal allen zu zeigen (und damit natürlich die Welt zu verändern)? Meine großen Gesten sind klein. Das große Lamento, bei dem alle mich bedauern, die komischen Sprüche, die die anderen zum Lachen bringen (und die machen, dass ich mich gesehen und gemocht fühle) oder die Parole, die als Provokation gar nicht so richtig wirkt, aber laut und aufmerksamkeitsheischend daher kommt. „Du sollst Gott nicht auf die Probe stellen!“ Ich hab das alles nicht nötig. Ich bin in Gottes Hand geschrieben und muss gar nichts beweisen oder ausprobieren, ob er bei mir bleibt. Tut er. Für Gott bin ich großartig. Ich weiß das. Eigentlich.
 
Und dann das Versprechen: dies alles soll dir gehören – da geht es um Macht. Ja, Macht korrumpiert, mich auch. Was könnte ich nicht alles Gutes und Sinnvolles tun, wenn ich die Mittel (also die Macht) hätte! Macht fühlt sich gut an – wer möchte nicht einmal die Bestimmerin sein? Aber: meine Vorstellung von gut ist genau das: meine Vorstellung, eine von vielen. Macht macht schnell den Raum klein für die anderen Perspektiven. Dabei ist die Antwort Jesu wirklich einfach: Diene Gott und nicht der Macht! Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
 
All diese Dinge sind uns vertraut. Wir kennen doch selbst die Wüstenzeiten: Chaos in der Welt, politische Ohnmacht, Kirchenentwicklung 2030, Burnout, Polarisierung und Einsamkeit. Und was hören wir immer lauter? „Mach was aus der Situation!“, „Nimm, was du kriegen kannst!“, „Du bist ja nicht Mutter Theresa!“.
 
Die Geschichte von der Versuchung Jesu geht anders. Sie sagt, ‚es geht nicht darum zu haben und zu bestimmen, das ist nicht nötig!‘. Mit all seinen Antworten nimmt Jesus immer wieder den Druck aus den belastenden Situationen. Vertrau auf Gott, lass Gott mal machen und nimm dich mal nicht ganz so wichtig. Ein bisschen Gottvertrauen, ein bisschen mehr Rückbindung an Gott, würde mir manchmal wirklich guttun, bevor ich wieder weiß, was gut für die Welt ist.
 
Die Geschichte in der Wüste endet großartig: Engel kommen und dienen Jesus. Aus der einsamen und öden Wüstensituation wird ein Bild der Gemeinschaft. Nicht schlecht und irgendwie auch wahr: wer sich nicht nur um sich dreht, sondern auch die anderen in den Blick nimmt (und behält) der ist nicht allein, er (er)lebt Gemeinschaft – Kommunion. Wieso bin ich da jetzt schon wieder beim Brot?
 
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: canva.com